Noch Shopware 5 oder schon 6?

Es ist soweit. Die neue Shopware Version 6 wurde veröffentlicht! Mit Version 6.1.0 steht nun eine erste stabile Version zur Verfügung. Das stellt allerdings Shopbetreiber vor eine wichtige Frage: setze ich noch Shopware 5? Oder steig ich direkt mit Version 6 ein? In diesem Artikel finden sie das Für und Wieder.

Spricht etwas gegen Shopware 6?

Nein. Es spricht erstmal nichts direkt gegen den Einsatz von Shopware 6.x. Die finale Version ist als stabil markiert. Zumindest katastrophale Probleme wie verlorene Bestellungen, gelöschte Benutzer oder andere Datenbankprobleme sollten nicht mehr auftreten. Hier aber ein paar Argumente, die Sie zumindest gehört haben sollten.

Kinderkrankheiten abwarten

Die Software wurde vom Hersteller mit 6.1.0 als stabil markiert. Klar. Die kann für produktive Systeme genutzt werden. Es handelt sich ja eh um neue Projekte. Dementsprechend muss über Tests ohnehin die korrekte Funktion sichergestellt werden. Das führt jedoch zum ersten Argument.

Gerade etwas kleineren Shops würde ich empfehlen, einfach noch etwas zu warten. Jetzt wird Shopware auf breiter Front langsam ausgerollt. Das weitere Fehler und Kinderkrankheiten erst jetzt auftauchen, liegt in der Natur der Sache. Für große Shops mit entsprechendem Budget macht es meist keinen Unterschied, wenn ein paar Stunden ein Bug im Core gesucht wird. Vielleicht gibt es ohnehin eine entsprechende Support-Subscription und die Shopware AG löst dieses Problem.

Für kleinere Shops kann ein halber Manntag bezahlter Aufwand schon einen spürbaren Unterschied machen. Bei 80-90€ Stundensatz geht wertvolles Budget verloren, das im Marketing viel besser eingesetzt gewesen wäre. Solche Probleme kann man einfach umgehen, wenn man noch etwas abwartet.

Bestes Beispiel ist die nun veröffentliche Version 6.1.1. Das erste Bugfix Release schiebt gleich einige Anpassungen nach. Die Kategorie von Fehlern die ich meinte, zeigt folgendes Beispiel:

  • Bug: NEXT-5032
  • Willkommens-E-Mail wird auch an Gastbesteller versendet (nicht nur an neue registrierte Kunden)

Das ist sicher nicht dramatisch, aber solche Fehler sind einfach fast schon zu erwarten. Ohne es böse zu meinen, ist es einfach das Prinzip Banana: reift beim Kunden. Manche Dinge fallen einfach erst auf, wenn Software in der Realität ausgerollt wird.

Schön ist, dass gleich ein Bugfix Release veröffentlicht wird (in dem 39 Tickets gelöst wurden).

Das Ökosystem für Version 5 ist größer

Einer der Erfolgsfaktoren ist der Netzwerkeffekt. Je mehr Teilnehmer es gibt, desto wertvoller wird das gesamte Netzwerk. Bestes Beispiel ist das Telefon. Sobald eine kritische Masse an Teilnehmern erreicht ist, wird das Medium umso wertvoller.

Das gilt auch für ein Shopsystem wie Shopware. Je mehr Angebot es im Markt gibt, desto besser für den Shopbetreiber:

  • Anbieter für Sonderlösungen
  • verfügbare Dienstleister
  • ausreichend erfahrene Entwickler
  • fertige Erweiterungen
  • eine größere Auswahl an Premium-Themes
  • und so weiter

Das Angebot für Shopware 5 ist bereits sehr reichhaltig. Aktuell fehlen hier einfach die Komponenten für Shopware 6 schlicht und einfach noch:

  • Zahlungsanbieter
  • Warenwirtschaftssysteme
  • ERP-Systeme
  • Plugins für häufig benötigte Aufgaben
  • und viele andere

Ich bin sicher, die Situation wird sich noch in 2020 dramatisch verändern. Aktuell ist jedoch hier die Auswahl in fast jedem Bereich noch etwas dürftig. Immerhin steht ja auch das neue Shopware Release noch ganz am Anfang.

Empfehlung auch daher: Warten Sie, bis das Ökosystem nachgezogen hat. Vor dem Projektstart sollte mindestens geprüft werden, ob alle benötigten Komponenten für Shopware 6 verfügbar sind. Wären sie das noch nicht, muss eine individuelle Lösung her. Und die erzeugt einen höheren Aufwand, also höhere Kosten.

Vielleicht das Wichtigste: Es gibt keinen Grund zur Eile

Wer nun startet, hat zumindest bis 2025 weiterhin Updates. Es werden im späteren Verlauf keine neuen Features mehr veröffentlicht. Aber aus Erfahrung wird nach 4-5 Jahren in bestehenden Shops oft eigentlich nur noch der Status-Quo aufrecht erhalten oder kleinere Anpassungen gemacht. Nach dieser Laufzeit ist die Investition in der Regel abgeschrieben. Und nach so langer Zeit wird vielleicht ohnehin ein neues Design interessant. Die Gelegenheit kann man immer noch nutzen, um umzusteigen.

Für begeisterte mit Lust auf Neues?

Ist Shopware 6 wirklich ideal. Wenn Sie nicht auf den letzten Euro schauen, mit kleineren Problemen beim Start leben können und evt. neue Features auf Kosten von manchen Kinderkrankheiten akzeptieren… können wir sofort loslegen. Ich habe nun bereits mit Shopware 6 verschiedene Erfahrungen gesammelt und bin wirklich begeistert. Ich unterstütze Sie in dem Tatendrang gerne.

Fazit

Ich möchte mit dem Artikel niemanden von Shopware 6 zu diesem Zeitpunkt abbringen. Man sollte nur die wichtigen Aspekte berücksichtigen und sich dafür bewusst entscheiden, nicht aus den falschen Gründen.