Kein Leistungsschutzrecht!

 

Das derzeit diskutierte, und wie es aussieht auch vom Bundeskabinett bereits abgenickte, Leistungsschutzrecht für Presseverleger, darf nicht in ein Gesetz überführt werden! Nur wieso nicht? Immerhin scheint es doch viele Argumente zu geben, die dafür sprechen! Oder doch nicht?

 

Angriff der E-Mailausdrucker, jetzt in 3D!

Es ist absurd was dieser Tage in der Politik passiert. Ich kann in der Tat einfach nicht glauben, dass ein Politiker die offensichtlichen Probleme übersehen kann. Es muss niemand IT-Experte sein, sich intensiv mit dem Web auseinander setzen oder sich für Netzwerke und Webseiten interessieren. Jedoch kann man von einem Politiker verlangen, dass kritische Stimmen zu Wort kommen und Sachverhalten nachgegangen wird. Scheinbar konnte jedoch weder Frau Bär aus der CSU mit ihren sinnvollen Argumenten überzeugen, noch die Haltung der Jungen Union etwas verändern und auch nicht Kritiker in der FDP sich durchsetzen. Man muss kein erotisches Verhältnis zur Logik pflegen, um zu erkennen ,dass das geplante Leistungsschutzrecht Probleme verursachen wird. Aus meiner Sicht liegt die Vermutung von Clientelpolitik, für jene die am lautesten Trommeln, sehr nahe. Fast die einzige logische Erklärung ist daher, dass aus Angst vor einer starken und mächtigen Lobby gehandelt wird. Wer möchte schon bei anstehenden Wahlkämpfen die halbe Presse gegen sich haben?

Da an vielen Stellen bereits sehr ausführlich die fadenscheinigen Argumente der Lobby durchleuchtet wurden, genau erklärt wurde wieso es im Kern eigentlich nicht um Diebstahl von Inhalten, sondern vielmehr um den Schutz von einem wankenden Geschäftsmodell geht, verweise ich für eine weitere Erklärung der Problematik gerne auf folgende Quellen im Netz:

 

 

Niemand wird in den Google Index gezwungen

Die Presseverbände stellen derzeit die Situation mit verdrehten Tatsachen dar. Dies ist eigentlich genau der Stil der Bildzeitung. Nur, dass es scheinbar mittlerweile auch auf andere Verlagshäuser übergesprungen ist. Eines der Hauptargumente ist aktuell, dass man Google und Webseiten auf denen man Nachrichten aus verschiedenen Quellen zusammen führt (die Headlines sowie ca. 140 Zeichen des Textes), schutzlos ausgeliefert wäre. Sprich: Dort würden Inhalte von den Seiten kopiert, man könne sich jedoch nicht davor schützen. Dies ist absoluter Quatsch! Drei Argumente die mir in den allgemeinen Diskussionen noch ein wenig fehlen:

  • Man kann Roboter von allen Suchmaschinen und Aggregatoren unterhalb von einer Minute aussperren (z.B. über eine robots.txt). Da das Gesetz nur auf seriöse Anbieter mit Firmensitz in Deutschland abzielt, kann man davon ausgehen, dass die Erfolgsquote dieser bekannten (und schon extrem alten) Techniken bereits ausreichen würden um Google&Co mitzuteilen: unsere Seite nicht indizieren. Anbieter welche diesen Wunsch ignorieren, komplette Texte abgreifen und sie dann unter eigenem Namen veröffentlichen, verstossen bereits jetzt gegen das Urheberrecht. 

 

  • Fast alle Webseiten der protestierenden Verleger, die der Meinung sind das Leistungsschutzrecht sei notwendig, bieten RSS Feeds an! Das bedeutet, sie bereiten die Inhalte für die „dreisten Contentdiebe“ wie Google sogar extra auf? RSS Feeds sind nicht für die direkte Betrachtung von Menschen gedacht. Dafür ist nunmal spezielle Software, die heutzutage häufig einfach als Webservice in der Cloud läuft, notwendig. Zum Vergleich: Hier beschwert sich auf der einen Seite jemand, dass man regelmäßig seine Autos klaut. Auf der anderen Seite jedoch, lässt er absichtlich den Schlüssel stecken und weisst explizit auf den Standort dieser Autos hin.

 

  • Die sogenannten Snippets, welche es hier zu schützen gilt, werden bei den meisten Suchtreffern sogar speziell für die Suchmaschinen geschrieben, von den Presseverlegern selbst! Das bedeutet, man will ganz offensichtlich  optimierte Snippets ausgeben lassen, damit Google&Co bei den passenden Suchanfragen die eigenen Artikel präsentiert. Das belegt, dass man sich nicht dagegen „schützen“ will, sondern eher im Gegenteil: Es wird versucht den maximalen Effekt zu erzielen: Möglichst viele kostenlose Besucher über Google, und somit möglichst viele Werbeeinnahmen.

 

Zeit zum Handeln!

Wichtig fände ich, dass darüber geredet wird. Das sollte nicht nur in Weblogs passieren, sondern zu einem allgemeineren Thema werden. Auch wenn viele das Problem für sehr abstrakt halten mögen, es betrifft jeden der sich darüber freut wie offen das Internet funktioniert. Anders ausgedrückt: Wer es unfair findet GEZ Gebühren zahlen zu müssen, nur weil theoretisch der Empfang von öffentlich-rechtlichen Sendern überall möglich ist, dem wird das Leistungsschutzrecht noch mehr aufstossen, sollten erst einmal die Konsequenzen spürbar sein. Daher, jetzt handeln! 

  • Schreibt in sozialen Netzwerk, teilt die URLs zu den Quellen oben
  • Unterhaltet euch mit Arbeitskollegen und vorgesetzten über die Probleme
  • kontaktiert das für euch zuständige Mitglied des Bundestages (Suche nach PLZ: MdB Suche)
  • kontaktiert einen für euch zuständigen Landtagsabgeordneten (für NRW z.B. Auswahl nach Wahlkreis)
  • schreibt mindestens eine E-Mail oder ruft dort besser noch direkt an